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Autobiografie

 

Kapitel:  -1-  -2-  -3-  -4-  -5-  -6-

 

2. Kapitel (Körung):

 

Meine Kinderzeit war völlig unbeschwert. Mit meinem Kumpel „Donni“ hatte ich bis zum Alter von zweieinviertel Jahren eine tolle „Kinderzeit“. Wir durften uns auf den Trippschen Weiden fast jeden Tag austoben und hatten als Wetterschutz einen großen Laufstall.

 

Wir bekamen eine einfache Grundausbildung, damit Mensch und Tier gefahrlos miteinander umgehen können. Insbesondere Frau Tripp, von mir Irmi genannt, beschäftigte sich mit mir. Ich musste lernen, dass sie mir die Füße hochnahm. Gelegentlich wurde ich geputzt. Mir wurde beigebracht, ordentlich am Halfter neben einer Person herzugehen.

 

Nach 27 Monaten wurde es plötzlich etwas spannender. Donni und ich bekamen jeder eine eigene Box und wir kamen nur noch tagsüber gemeinsam auf die Weide.

 

Nun begann, was man wohl als den Ernst des Lebens bezeichnet. Irmi beschäftigte sich von nun an intensiver mit mir. Außer der Halfter bekam ich jetzt noch ein „Lederzeug“ auf den Kopf. Das lästige an diesem Teil war ein an ihm hängendes Eisenteil, was ich ins Maul bekam. Dieses Teil war völlig unangenehm. Es war kalt und schmeckte nur nach Metall.

 

Viel später verstand ich die Funktion dieser so genannten Trense. Mit ihrer Hilfe wollen die Menschen mir klar machen, wohin ich wie zu gehen habe, wenn sie auf mir sitzen.

 

Von nun an musste ich eine viertel Stunde täglich im Kreis laufen. Mal Schritt, mal Galopp und meistens Trab, mal rechts herum, mal links herum.

 

Damit mir es nicht langweilig wurde, bekam ich noch einen Bauchgurt verpasst. Dieses Ding verursachte eine körperliche Enge, die einen auf die Idee bringen konnte, einmal so richtig zu buckeln und herum zu toben und zu furzen. Aber wie immer in solchen Situationen: „Ich blieb cool!“

 

Zum besseren Muskelaufbau und zwecks Durchlässigkeitsverbesserung wurde ich nach einer Woche am Bauchgurt ausgebunden, dass heißt, zwischen Trensenring und Gurt wurde eine Verbindung mit einem Zügel hergestellt.

 

Der Bauchgurt wurde alsbald durch einen Sattel ausgetauscht.

 

Inzwischen hatte sich mein Vertrauensverhältnis zu Irmi so verfestigt, dass mich auch das in keiner Weise beunruhigte.

 

Und ihr werdet es nicht glauben. Ich wurde von Tag zu Tag schöner. Meine „Sixpacks“ (Muskulatur) wurden immer ausgeprägter.

 

Zusätzlich wurde ich geschult, optimal neben einer Person herzutraben oder Schritt zu gehen. Das war relativ langweilig und auch nicht wirklich mein Ding.

 

Geil fand ich jedoch, dass ich einmal in der Woche in der Reithalle laufen gelassen wurde und dann über runde Holzstangen springen durfte (Hindernisse). Die Stangen waren ziemlich bunt und in unterschiedlichen Höhen an Ständern angebracht. Zuerst ist Kalle wie doof mit der Peitsche hinter mir her gerannt und hat mich über die Sprünge gescheucht. Nachdem ich jedoch wusste, worauf es beim Freispringen ankommt, bin ich von allein in der Halle rund gelaufen und freiwillig gesprungen, weil mir das bis heute so einen Spaß macht. Kalle hatte die Hindernisse aber auch immer fair aufgebaut, erst sehr niedrig und dann immer höher, bis zu den für die Körung verlangten Höhen.

 

Anfang Dezember 1998 wurden die mich betreuenden Personen von Tag zu Tag hektischer. Fast täglich kam der Bruder vom Chef, Gerd. Mit ihm als Führer wurde das oben beschriebene an der Hand traben geübt. Außerdem wurde mir beigebracht, „offen“ zu stehen, d. h., mich so zu positionieren, dass man im Seitenbild alle vier Beine von mir sehen kann.

 

Am Morgen des 17. Dezember kam Irmi in den Stall, putzte mich besonders intensiv. Mein Schweif wurde trotz des kalten Wetters gewaschen. Ich bekam meine Hufe eingefettet, ein Make up mit Melkfett um die Augen und hier und da wurden noch ein paar überflüssige Haare abgeschnitten. Als Höhepunkt flechtete Irmi Zöpfe in meine Mähne und umwickelte sie mit weißem Klebeband.

 

Jetzt sah ich richtig stark aus. Gut verpackt in warmen Decken ging es ab auf den Anhänger. Die Fahrt ging nach Münster Handorf. Begleitet wurde ich von einer Fangemeinde aus dem Stall Tripp, der sogar der Sohn des Hauses Henning, genannte Henne, angehörte, obwohl der bis heute herzlich wenig mit Pferden zu tun hat.

 

Dort auf der Anlage des Westfälischen Pferdestammbuchs angekommen stieß ich auf eine Vielzahl von Leidensgenossen. „Mein lieber Scholli“, die meisten sahen auch verdammt gut aus. Ich spürte auch, wie die Nervosität meiner Begleitmannschaft langsam stieg, ließ mich aber nicht anstecken.

 

Ich kam dort in eine Box. Vor der Box war ein Schild mit der Nummer 57  und meiner Abstammung angebracht.

 

Wiederholt wurde mein Outfit überprüft und hier und da wurden noch unwesentliche Korrekturen vorgenommen. Dann wurde ich mit einer wunderschönen Trense aufgezäumt. Dieses Teil hatte ich zuvor noch nie gesehen. Es war wohl für diesen Auftritt geschont worden. Als i-Tüpfelchen war noch die Kopfnummer 57 angebracht worden, damit jeder in einem eigens für dieses Event hergestellten Katalog nachlesen konnte, wer ich bin. 

 

Jetzt war alles perfekt. Ich spürte förmlich: „Heute ist der Tag der Tage. Heute muss du alles geben.“ Langsam baute sich auch in mir so etwas wie Spannung auf.

 

Die Aufregung war jedoch umsonst. Ich musste lediglich neben Gerd einen gepflasterten Weg rauf und runter traben, zwischendurch vor einer Gruppe Menschen kurz anhalten und mich in oben beschriebener Weise vor ihnen aufstellen. Meinem Umfeld war zu entnehmen, dass wohl alle mit meiner Vorstellung zufrieden waren.

 

Etwa zwei Stunden später musste ich meine Box wieder verlassen. Irmi fummelte wieder an mir herum, obwohl noch jedes Haar da lag, wo es hingehörte.

 

Neben Gerd musste ich, dieses Mal in einer riesigen Halle, auf einer Dreiecksbahn traben und wieder vor der Gruppe Menschen, der so genannten Körkommission, wie ich inzwischen von meinem Boxennachbarn erfahren hatte,  anhalten und mich aufstellen.

 

An der gesamten Atmosphäre in der schon weihnachtlich geschmückten Reithalle, mit den Zuschauern, mit den Peitschenführen, die meine Kollegen immer wieder zu Höchstleistungen antrieben, erkannte ich: „Hier geht es um etwas. Anstrengen könnte sich lohnen. Hier könntest Du mal zeigen, was du so drauf hast.“

 

An der Reaktion meiner Begleitmannschaft war abzulesen, dass mir das auch gelungen war.

 

Anschließen musste ich mit Gerd und 11 anderen Hengsten auf die Schrittrunde. Wie der Name schon sagt, wurde von der Kommission hier noch der Schritt beurteil. Auch hier hatte ich nicht zuletzt aufgrund meiner Coolness eine optimale Vorstellung.

 

Als durch den Lautsprecher bekannt gegeben wurde: „Nr. 57  dritte Besichtigung!“ merkte ich, wie erste Anspannung von meiner Begleittruppe abfiel.

 

Warm eingepackt durfte ich die Heimreise antreten.

 

Am nächsten Morgen das gleiche Spiel. Nach einem super Frühstück wurde ich wieder herausgeputzt.

 

Ich sah aus wie geleckt und ab ging’s wieder nach Handorf.

 

Heut stand das Freispringen auf dem Programm. Eine Reihe mit Sprüngen war aufgebaut, wie ich sie von zuhause her kannte. Alles war jedoch ein wenig bunter und spektakulärer.

 

Mensch habe ich gedacht, in dieser Disziplin sind wir doch gut vorbereitet. Als ich in der Halle losgelassen wurde, dachte ich: „Wollen denen doch mal zeigen, wo hier der Hammer hängt.“ Ich strotzte nur so vor Energie.

 

Die ersten paar Sprünge meisterte ich mit links. Langsam wurden die Anforderungen jedoch immer höher. Ich konnte spüren, dass den Leuten auf der Tribüne gefiel, was sie sahen. Einer machte noch einen Witz: „Können Barbiepuppen denn springen?“ (Anm. d. R.: Das Pferd in der Welt der Barbiepuppen ist ein Palomino!)

 

„Au warte!“, dachte ich. Dir werde ich es zeigen. Die Stange des letzten Hindernisses hatte nun Bandenhöhe erreicht. Ich strotzte immer noch vor Kraft und sprang wie ein Pflummi darüber. Das veranlasste sogar die sturen Westfalen zu einem Applaus.

 

Als ich aus der Halle geführt wurde, merkte ich, wie stolz meine Fangemeinde auf mich war. Besonders der Chef war voll zufrieden. Das ging runter wie Öl.

 

Jetzt kam noch die Schrittrunde auf der das Ergebnis der Körkommission für die 12 Hengste starke Gruppe bekannt gegeben wurde.

 

 

Runde um Runde wurde Schritt geführt. Gefühlt wollte das gar kein Ende nehmen.

 

Die Spannung stieg ins unermessliche. Dann die erlösenden Worte: „ Nummer 57, der Hengst ist gekört!“.

 

Meine Truppe war schier aus dem Häuschen. Alles hatte wunderbar geklappt. Ich glaube, mein Chef hat dabei sogar das eine oder andere Tränchen verdrückt.

 

Natürlich hatte rein zufällig auch jemand eine Flasche Sekt dabei und meine Mannschaft genehmigte sich ein Gläschen auf den Triumph,.

 

Ein Etappenziel war erreicht!

 

Tage später erzählte mir Henning, dass er bei jeder Gelegenheit, besonders bei Tisch, den Spruch der Körkommission: „Nummer 57, der Hengst ist gekört!“ zitieren „musste“.

 

Aber das war noch nicht alles, später erzähle ich Euch mehr. Also, bis bald.

 

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Copyright © 2010

Henning Tripp

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