· Start

· Abstammung

· H. L. P.

· Erfolge 

· Verkauf

· Nachzucht

· Anfahrt 

· Impressum

· Home

 

Autobiografie

 

Kapitel:  -1-  -2-  -3-  -4-  -5-  -6-

 

3. Kapitel (Wien):

 

Leute! Verdammt, inzwischen ist ne Menge passiert!

 

Mir geht es blendend, meinem „Ex-Chef“ allerdings weniger. Der hat nämlich mit der Ponyzucht aufgehört. Wir gehen seit dem Frühjahr getrennte Wege und das tut ihm mächtig weh.

 

Eigentlich müsste ich ja der Reihe nach erzählen (etwas darüber, wie ich angeritten wurde usw.), aber diese Sache ist so brisant. Das muss ich unbedingt los werden.

 

Im Februar, Kalle war gerade von einem seiner Skilauf-Trips zurück, kam eine Familie mit zwei hübschen jungen Mädels bei uns in den Stall, die eine war neun, die andere geschätzt 18 Jahre alt. Ich wurde ausprobiert.

 

Zuerst setzte sich die 18-jährige Alina auf meinen Rücken. Aber schon nach zwei Runden in Kalles Reithalle wurde gewechselt. Die damals neunjährige Alessa war an der Reihe. Sie kam auf Anhieb mit mir zurecht.

 

Ich will mich nicht loben, aber ich machte schon eine gute Figur, obwohl ich längere Zeit nicht geritten worden war. Immerhin bin ich jetzt auch schon 15 Jahre alt.

 

Dieses Ausprobieren hatte gravierende Folgen für mich. Die Familie kam am nächsten Tag wieder. Alessa hatte schon einen Zettel mit einem Herzen bemahlt und darauf geschrieben:

 

„Goldi, ich liebe Dich, wann kommst Du zu mir?“

 

Wie ich später erfahren habe, hatte Kalle mich im Internet zum Kauf angeboten. Die kleine Alessa war beim Surfen im Internet auf meine Homepage geraten und hatte sich sofort in mich verliebt.

 

Der Mann der Familie, heute weiß ich, dass er Andreas heißt, und Kalle brauchten nicht lange zu verhandeln und wurden sich schnell einig. Ich sollte so schnell wie möglich der Familie zum Reiten überstellt werden. Man verständigte sich darauf, dass Kalle mich in den neuen Stall verbringen sollte.

 

Ein fairer Kaufvertrag wurde ausgehandelt, so dass ich, wenn Alessa nicht mehr mit mir klar kommen sollte, jederzeit zurück gebracht werden könnte.

 

Dass fand ich von Kalle ganz toll. So hatte ich nie den Eindruck, dass er mich unter allen Umständen los werden wollte.

 

Gesagt, getan: Schon 3 Tage später wurde ich verladen, warm in zwei Decken verpackt, nicht ahnend, wo es hingeht.

 

Kalle und ich fuhren in die Nacht hinein, 10 Stunden lang, über 1000 km. Ich stand auf dem Anhänger wie ein Pohl (wie immer) weil ich nie Angst habe, auf einem Pferdeanhänger zu reisen. Die meisten Pferde müssen sich meistens vor Nervosität erleichtern. Ich habe meinen Anhänger fast immer sauber gehalten (während der 10 Stunden Fahrt nicht ganz!). Übrigens laufe ich immer alleine auf den Pferdetransporter. Es macht einfach Spaß, (mit Kalle) Auto zu fahren.

 

Als wir morgens um 6.30 Uhr ankamen, staunte ich nicht schlecht. Wir hatten die österreichische Hauptstadt Wien erreicht. Jetzt war ich auch noch ein internationales Pony geworden.

 

Die Familie A. war von unserem Auftauchen völlig überrascht. Aufgrund eines Missverständnisses hatten sie erst am folgenden Wochenende mit uns gerechnet.

 

Die ganze Familie war außer Rand und Band. Besonders die kleine Alessa freute sich wie eine Schneekönigin.

 

Gott sei Dank hatten die A´s. ohnehin in einer kleinen Wohnung am Stall übernachtet. So konnte ich dort sofort meine neue Box beziehen.

 

Diese war riesig groß, hatte zur Stallgasse und nach draußen ein großes Fenster und war satt mit Stroh eingestreut. Leckeres Heu lag auch schon in der Ecke.

 

Na, dachte ich, dann kann es ja los geh´n. Jetzt wirst Du auf deine alten Tage doch noch mehr erleben. Auf mich wartete eine Führanlage, ein eigener Paddock, mehrer Außenvierecke und eine riesige Reithalle. Und das Beste kommt noch:

 

Zuhause musste ich draußen immer mit einer riesigen so genannten Räudedecke herumlaufen, die ging vom Kopf bis weit über die Schweifrübe hinaus. Diese schützte mich vor den Bissen gewisser Stechfliegen. Deren Stiche lösten bei mir eine Art Allergie aus, die juckte, so dass ich mich ständig kratzen (scheuern) musste. Besonders bei warmem Wetter war die Decke, wie man sich denken kann, besonders sch..... Ich habe darunter manchmal geschwitzt wie ein Affe.

 

Hier in Wien scheint es diese Fliegenart nicht zu geben. Ich habe bisher noch keine gesehen und heimlich gestochen wurde ich auch nicht mehr.

 

Bis heute kann ich tatsächlich beim Weidegang auf diese hässliche Decke verzichten. Ich hoffe, man hat sie inzwischen in die Tonne gekloppt.

 

Wie ich mittlerweile weiß, ist auch der Service hier im Stall Spitze.

 

Dreimal täglich gibt es Futter, zweimal am Tag werden meine Köttel ´raus genommen und ich bekomme frisches Stroh, man führt mich einmal zum Paddock und einmal zur Führanlage, außerdem werde ich noch von Alessa geritten. Als Highlight gibt es im Winter warmes Mash mit Möhren. Pferdeherz was willst Du mehr.

 

Alessa hat eine Trainerin mit Namen Elsa mit viel Einfühlungsvermögen. Naja, habe ich mir gesagt, wenn Du schon so verwöhnt wirst, dann willst du dich den beiden auch von deiner besten Seite zeigen.

 

Alessa gab (und gibt) sich mit ihren 10 Jahren sehr viel Mühe mit mir. Die Trainerin war mit uns so zufrieden, dass sie uns bei den Niederösterreichischen Meisterschaften angemeldet hatte.

 

Und schon hatten wir die „Staats-Bedenkenträger“ auf den Plan gerufen. Besonders Frau A., die Mutter von Alessa, hatte darunter zu leiden. „Wie können Sie das Ihrer jungen und so zarten Tochter antun, sie dort starten zu lassen, und dann noch mit einem (Deck-)Hengst? Das ist unverantwortlich!“

 

Als ich das mitbekam habe ich gedacht, wenn Alessa und ihre Trainerin Elsa mitmachen, werde ich diesen Besserwissern zeigen, wo der Hammer hängt.

 

Ihr werdet es nicht glauben. An einem Wochenende im Oktober haben wir es gepackt. Trotz früher Startzeiten fast mitten in der Nacht und spürbarer Nervosität meiner Reiterin wurden wir Dank meiner Coolness dritte bei den Niederösterreichischen Dressur-Meisterschaften bei den Ponys 2011.

 

Was sagt ihr jetzt? Das war doch wohl ein Zwischenkapitel wert, oder nicht? Bis bald!

 

Weiterlesen...

 

Kapitel:  -1-  -2-  -3-  -4-  -5-  -6-

Copyright © 2010

Henning Tripp

zurück