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Autobiografie

 

Kapitel:  -1-  -2-  -3-  -4-  -5-  -6-

 

4. Kapitel (1. Deckeinsatz):

 

Wo waren wir stehen geblieben? Ach so, ja, nach der Körung gab es ein paar Wochen Pause. Es war ja schließlich alles anstrengend genug, vor allem für meinen Fan-Club.

 

Nach Weinachten war der Spaß vorbei und ich wurde wieder longiert. Ein wenig beunruhigte mich die Tatsache, dass sich nach der Longenarbeit immer jemand über den Sattel legte, erst nur im Stand; später wurde ich dann im Schritt geführt.

 

Das Gewicht der Person im Sattel machte mir nicht aus und ich hatte mich schnell daran gewöhnt. Es dauerte nicht lange, da saß eine junge Frau aufrecht im Sattel. Sie hieß Brigitte und ich hatte in Zukunft mehr mit ihr zu tun.

 

Es war schon etwas komisch, jetzt beim Longieren jemandem im Nacken sitzen zu haben, erst nur im Schritt, später dann auch im Trab. Auch das war nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kein Problem für mich. Buckeln oder dergleichen kam für mich sowieso nicht in Frage. Als ich einigermaßen im Gleichgewicht war, kam der Galopp dran. Da muss ich zugeben, hatte ich auf der rechten Hand (also wenn man rechts herum im Kreis läuft) doch einige Schwierigkeiten. Ich bekam die Beine nicht richtig sortiert. Meine Bereiterin gab sich alle Mühe, doch ich kam einfach nicht klar. Kalle fing schon an, an mir zu zweifeln. Aber, wie fast aus dem Nichts (Ich wurde natürlich durch geschickt angewandte Tricks von Irmi entsprechend gymnastiziert!) klappte es plötzlich und Kalle kam auch wieder runter vom Baum.

 

Mehr und mehr wurde die Zeit verlängert, wo ich ohne Longe laufen durfte. Irgendwann fiel die Longe ganz weg. Meine Ausbildung schritt gut voran und so wurde darüber nachgedacht, mich auf  Turnieren einzusetzen.

 

Für dreijährige Pferde gibt es allerdings einen gewissen Jugendschutz. Sie dürfen erst ab dem 1. Mai des Jahres auf  Turnieren eingesetzt werden.

 

So hatte ich erst noch Zeit, mich auf die anstehende Decksaison zu konzentrieren.

 

Mensch, Leute, das war ´ne geile Sache!

 

Theoretisch wusste, nein vermutete ich ja, wie das geht mit Fortpflanzung. Aber es war viel besser als ich es gedacht hatte.

 

Ende März 1999 war es dann soweit; Die erste Stute. Sie kam aus Gescher bei Coesfeld zum Decken auf unseren Hof.

 

Sie war als erste Partnerin für mich ideal, nicht zu groß gewachsen, schöner, breiter Rücken und total ohne Zicken. Von Kalle ein wenig assistiert klappte alles hervorragend. Ich möchte hier nicht weiter ins Detail gehen. Das bin ich der Privatsphäre meiner Partnerin schuldig.

 

Kalle hatte im ersten Jahr auf ein Deckgeld verzichtet, um mich für möglichst viele Stutenbesitzer interessant zu machen, damit ich meine Vererbungskraft auf eine möglichst breite Stutenbasis stellen konnte. Im Gegenzug mussten die Züchter meinem Boss ein Vorkaufsrecht für das zu erwartende Fohlen einräumen.

 

Im ersten Jahr wurden mir so 12 Stuten zugeführt, von denen 11 ein lebendes Fohlen bekamen. Aber dazu später mehr.

 

Die Turniersaison begann für mich auf einem Turnier in GE-Buer. In der Nähe sind übrigens die Schalker Fußballer zuhause.

 

Auf meinen guten Charakter vertrauend wurde ich mit meiner Stallnachbarin Gianna Nannini verladen. Die Fahrt zum Turnierplatz war auch recht easy. Nur was keiner wusste, ich aber sofort gescheckt hatte, Gianna war rossig. Ich hatte sie schon vor drei Wochen gedeckt und als sie so auf dem Abreiteplatz vor mir hergeritten wurde, dachte ich: „Die Gelegenheit ist günstig. Jetzt nichts wie `drauf!“ Diese eher spontane Idee fand die Reiterin von Gianna jedoch gar nicht so prickelnd. Meine Reiterin rief mich auch gleich zur Raison und zwar so, dass ich nie wieder im Leben auf eine solche Idee kam. Im Gegenteil, auf jedem Turnier habe ich mich so benommen, als sei ich gar kein Hengst. Das wird mir bis heute noch hoch angerechnet.

 

Schonend auf Turnieren eingesetzt, wurde ich in diesem Jahr einmal 1. und einmal 2. in Reitpferdeprüfungen. Da war Kalle natürlich wie immer stolz auf mich!

 

Die Deckerei klappte nicht immer so, wie mit meiner 1. Partnerin.

 

Da war schon die ein oder andere Stuten-Zicke dabei, das sag ich Euch.

 

Zum Beispiel die eine Tussi aus dem oldenburgischen; obwohl sie rossig war, schlug sie nach mir, das die Fetzen flogen.

 

Kalle glaubte, auch hier einen Rat zu wissen. Um den Hengst beim Deckakt zu schützen, bekommen die Stuten dicke Stricke um die Fesseln der Hinterbeine, damit sie nicht mehr ausschlagen können, sich aber auch selbst nicht verletzen können. Diese Stricke hatten wir auch, aber bisher nicht gebraucht, da alle Stuten kompatibel waren. Jetzt half alles nichts mehr und die Stricke wurden ausgepackt. Mit List und Tücke gelang es Kalle, die Stricke zu befestigen und es gelang uns, die Stute zu decken.

 

Leider nur beim ersten Mal. 36 Stunden später, beim zweiten Versuch mit den Tauen wusste Melissa, so hieß die Zicke, was ihr blühte. Kaum hatte Kalle ihre Hinterbeine berührt, um die Stricke anzulegen, nahm sie Reißaus. Sie rannte in die Botanik, riss einen Maschendrahtzaun an die Erde und rannte in ihre Box zurück. Gott sei Dank kam dabei niemand zu schaden.

 

Auch hier wusste Kalle erneut einen Rat. Die Stricke wurden ihr in vertrauter Umgebung in ihrer Box angelegt. Leider war sie dadurch nicht mehr in der Lage und vor allem Willens, ein paar Schritte zum Deckstand zu gehen. Also musste ich sie auf der Stallgasse decken.

 

Nun kannte Melissa alle Tricks. Alle weiteren Versuche, sie zu überlisten, schlugen fehl. Auch Kalle wurde überredet, nicht noch schwerere Geschütze aufzufahren, um doch noch das gesteckte Ziel zu erreichen. Besser sei es, so der allgemeine Tenor, Melissa sollte nicht die Gelegenheit bekommen, ihren schlechten Charakter auch noch zu vererben.

 

Was alle zu dem Zeitpunkt nicht wussten: Melissa war schon tragend!

 

Nachdem sie bei uns weg war, hat ihr damaliger Besitzer sie verkauft. Sie kam in gute Hände und die Käufer-Familie kümmerte rührend um die Stute. Sie dankte dies der Familie, indem sie nach und nach ihre negativen Charakterzüge ablegte.

 

Melissa bekam ein herrliches Fohlen mit einem super Interieur (Charakter), das heute in Weser-Ems als Reitpferd eingesetzt wird.

 

Im nächsten Kapitel erzähle ich Euch von meinem 1. Fohlenjahrgang. Bis bald!

 

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Copyright © 2010

Henning Tripp

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